Mittwoch, 28. Juni 2017

Rezension: Kingdomino von Pegasus Spiele

Bruno Cathala: KINGDOMINO für 2-4 Spieler mit Illustration von Cyril Bouquet bei Pegasus Spiele 2016

Flächen- statt Schlangen-Domino

Die Schachtel ist ja schon schön. Die Schrift und der Turm in der Mitte so schön glänzend. Und der König hängt fast über dem Abgrund. Das passiert, wenn die Dominos nicht flächig um die Burg platziert werden. Löcher in der 5x5-Auslage zu lassen, ist schlecht, weil Punkte verschenkt werden. Das passiert, falls die Plättchen nicht mit Bedacht angelegt werden. In das 5x5-Raster passen 12 Dominos, ein Feld – egal wo – ist für die Burg reserviert.

Jeder hat eine eigene Burg, an die dürfen jede Art Plättchen angelegt werden. Ansonsten muss mindestens eine Hälfte des Domino-Plättchens zur bestehenden Auslage passen. Dadurch entstehen gewisse Zwänge. Vergrößere ich meine Getreidefläche? Nehme ich möglicherweise meiner noch größeren Wasserfläche potenzielle Erweiterungsmöglichkeiten? Bleibt sogar ein Quadrat leer? Erkenne ich das überhaupt schon?

Wie komme ich überhaupt an die Plättchen? Vier liegen aus, vier kommen dazu. Auf die ersten vier kommen unsere Meeple. Die Plättchen sind durchnummeriert. Je kleiner die Nummer, desto weniger wertvoll das Plättchen. Wertvolle Plättchen haben eine bis drei Kronen. Auch daraus resultieren Zwänge. Wer Kronen-Plättchen mit hoher Nummer wählt, kommt dafür im nächsten Zug später an die Reihe. Dieses Dilemma ist garantiert nicht unbekannt.

Es geht schließlich um Punkte, und die kommen über die Kronen ins Spiel. Was nützt z.B. eine große Getreidefläche ohne eine einzige Mühle, sprich Krone. So ein Acker zählt nix, aber schon mit einer Mühle wird die Fläche wenigstens mit Eins multipliziert. Also will jeder Multiplikatorenplättchen einbauen, gerne mehrere in eine Fläche, bestenfalls die mit Multiplikator 3. Ach ja, auch ganz wichtig: Die fünf Gebiete Getreide, Wiese, Wald, See, Berge und Dreck sind nicht gleich häufig und mit derselben Anzahl Kronen im Spiel.

In der vorletzten Auslage sichere ich mir deshalb – wenn es sinnvoll ist – ein Plättchen mit kleiner Nummer. Das bringt mir im allerletzten Zug die erste Wahl unter den vier Domino-Plättchen. Das ist oft entscheidend, wenn mir ein bestimmtes Plättchen fehlt. Im Spiel zu viert kommen schließlich alle 48 Domino-Plättchen in die vier Königreiche. Mit Erfahrung lassen sich so noch wichtige Dominos abgreifen.

KINGDOMINO läuft gerade wegen der gewissen Zwänge recht rund. Es gibt was zu überlegen, aber nicht zu viel. Vielleicht kommt man sogar auf den Trichter, das zweitbeste Plättchen zu nehmen, um einem Gegner nicht viele Punkte zu lassen. Vielleicht packt einen sogar das Spiel? In den ersten Partien bestimmt, gerade auch zu zweit in einem (dann) 7x7 Raster, ist für genug Spannung gesorgt.

KINDOMINO ist ein perfekter Eisbrecher. Schnell erklärt, schnell gespielt und ebenso schnell wiederholt. Nicht ohne Grund ist es für das Spiel des Jahres 2017 nominiert. Ob es den Preis verdient? Das entscheiden ausschließlich die sieben Männer und die eine Frau in der Jury. Mir ist KINGDOMINO jetzt schon ein bisschen zu flach geworden, außer ich spiele die Duell-Version. Die ist – richtig gespielt – schon ganz schön fies. Dem Gegner gönne ich nicht die Butter aufs Brot: Welches Plättchen bringt dem Gegner die meisten Punkte? Das nehme ich …

1 Kommentar:

  1. Ich finde dieses Spiel einfach und genial. Es lässt sich trotzdem vieles beeinflussen; vor allen DIngen wenn man "fies" spielt. Es gibt noch eine tolle Variante, die zwar nicht ins Regelwerk aufgeführt ist; aber die Auslage "berechenbarer" macht: Jeweils die 4 NAchziehplättchen der nächsten Runden, der Reihe nach, auslegen ... da weisst man ja was kommem wird ...

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